Publikums- und Jurypreise
Preisträger 2026
Im Rahmen der Preisverleihung der 49. Internationalen Grenzland-Filmtage 2026 werden die Preisträger in den verschiedenen Kategorien bekannt gegeben. Die Gewinnerfilme der Jury und der Publikumsabstimmung werden nochmals am Sonntag, 12.04.2026 in gesonderten Vorstellungen gezeigt. Die genauen Spielzeiten sind im Programmspiegel zu finden.
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ZuKi-Filmpreis Kinderfilm
Yuri Far Far Away
Mariia Konopatova | Russland, Kasachstan 2025Diese Auszeichnung wird gestiftet von Zukunft Kinder e.V..
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Jury-Filmpreis "Osteuropäischer Film"
The Odyssey of Joy
Zgjim Terziqi | Kosovo, Frankreich 2025Jury-Begründung:
Der wichtige und ganz besondere Film passt wie kaum ein anderer zu den Grenzland-Filmtagen, deren wichtigste Anliegen von Beginn an ja die Überschreitung von politischen, kulturellen und sprachlichen Grenzen und der Brückenbau zwischen Regionen und Ländern waren.
Die Geschichte, die der Film erzählt, spielt im Jahr 2000 nach dem Kosovokrieg, der 1998/99 um die Unabhängigkeit der ehemaligen jugoslawischen Region geführt wurde. Der elfjährige Lis lebt mit seiner Familie auf engstem Raum in einer zugewiesenen Wohnung, nachdem sie aus ihrer alten Wohnung vertrieben wurden. Der Vater ist seit dem Krieg verschollen.
Als eine französische Clowntruppe in die Stadt kommt, die durchs Land reist und den Kindern neuen Lebensmut geben will, schließt er sich ihr an – anfangs unbeabsichtigt. Damit beginnt ein mitreissendes Roadmovie, das nicht nur die schwierigen Verhältnisse im vom Krieg gezeichneten Land auslotet, sondern auch die nicht ganz einfachen Beziehungen der Clowns untereinander.
Die Jury war besonders beeindruckt von der Schauspielkunst des jungen Hauptdarstellers Diar Sadiku in ihrer Kombination von Verletzlichkeit, Verletztheit und Coolness. Aber auch die französischen Clown-Darstellenden Lucie Fagedet, Frédéric Radepont, Iñaki Lartigue und die anderen Schauspielenden überzeugen durch ihre Authentizität und Wärme. Der Film, eine kosovarisch-französische Gemeinschaftsproduktion, wird getragen von einer tiefen Menschlichkeit und Poesie, die manchmal an die besten Momente des klassischen französischen Kinos erinnern. Trotz aller Schwere der Situation vermittelt der Film eine gewisse Leichtigkeit – die eigentliche Aufgabe von Clowns. Der junge Regisseur Zgjim Terziqi hat ein – teilweise autofiktionales – Werk geschaffen, das Hoffnung in unserer von Kriegen zerrissenen Welt möglich macht.Lobende Erwähnung an "Fragments on Resistance"
Staatliche Gewalt und der ewige Kreislauf von Unbehagen, Kritik, Auflehnung, Kampf, Widerstand, Niederschlagung, Ohnmacht, Resignation und neuer Hoffnung stehen im Zentrum dieses eindringlichen Films. Er schildert die Demonstrationen, Unruhen und Straßenkämpfe, die 2023/24 in Georgien und Serbien stattfanden – in Georgien als Reaktion auf die Ankündigung der Regierung, die Beitrittsverhandlungen zur EU zu verschieben und oppositionelle Gruppen nach russischem Vorbild als „Ausländische Agenten“ zu brandmarken. Seine besondere Stärke entfaltet der Film im Austausch emotionaler Nachrichten zweier junger Menschen in Georgien und Serbien, Levan und Pavla, durch den die politischen Ereignisse eine persönliche Dimension erhalten.
Den Filmschaffenden gelingt es, die Auswirkungen des Politischen auf das Private unmittelbar erfahrbar zu machen. Direkt und persönlich wirken die scheinbar beiläufig aufgenommenen Bilder, die ungeschönt eine Realität sichtbar machen, die in den Nachrichten des Alltags oft untergeht. Dabei stellt der Film drängende Fragen unserer Zeit: Welche Verantwortung trägt das Individuum für die Gesellschaft? Lohnt sich Protest – oder sind wir letztlich machtlos? Und wie lassen sich eigene Träume und Hoffnungen in Zeiten der Aussichtslosigkeit bewahren?
Ohne einfache Antworten zu geben, eröffnet er einen Raum der Reflexion und formuliert zugleich einen klaren Impuls: aufzustehen und Haltung zu zeigen, wenn die Welt aus dem Lot gerät.Diese Auszeichnung wird gestiftet von Stadt Selb.
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Jury-Filmpreis "Nachwuchs-Film"
Postcards Without Names
Joona Ikonen | Finnland 2025Jury-Begründung:
Die Jury zeichnet Postcards Without Names als einen Film aus, der mit stiller Intensität und bemerkenswerter erzählerischer Klarheit von Verlust, Erinnerung und unausgesprochenen Konflikten erzählt. Im Zentrum steht ein junger Mann, der aus Helsinki zurückkehrt an einen Ort, der untrennbar mit seiner Vergangenheit und der seines Cousins verbunden ist. Was folgt, ist keine laute Konfrontation, sondern ein fein beobachtetes Annähern zweier Menschen, die sich fremd geworden sind und doch eine gemeinsame Geschichte teilen.
Der Film überzeugt durch eine durchgängig starke, glaubhafte narrative Struktur, die es schafft, die emotionale Entwicklung der Figuren behutsam und dennoch eindringlich nachzuzeichnen. Dabei wird mit großer Authentizität in allen filmischen Gewerken gearbeitet: Kamera, Schnitt, Szenenbild und Ton greifen präzise ineinander und schaffen eine Atmosphäre, die zugleich roh und poetisch wirkt.
Besonders hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung, die mit großer Sensibilität und Tiefe die inneren Spannungen und Verletzlichkeiten der Figuren transportiert. Ohne überflüssige Dramatik entstehen Momente von Ehrlichkeit, die lange nachwirken. Unterstützt wird dies von einem emotionalen, fein abgestimmten Score, der die Geschichte trägt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Postcards Without Names ist ein in sich schlüssiger Film, der durch seine Zurückhaltung und Genauigkeit besticht – und gerade darin eine große emotionale Wucht entfaltet. Ein Werk, das zeigt, wie kraftvoll Kino sein kann, wenn es den Mut hat, leise zu sein.Lobende Erwähnung an "Baby It’s Cold Outside"
Baby It’s Cold Outside entfaltet eine dichte, immersive Wirkung, indem jede einzelne Szene die Dynamik zwischen den Protagonist*innen spürbar vorantreibt. Getragen von nuancierten schauspielerischen Leistungen entsteht eine Beziehung, die in ihrer Ambivalenz sehr authentisch wirkt. Für den Zuschauer bewegen sich die Figuren permanent zwischen Sympathie und Antipathie: Sie bieten ein hohes Maß an Identifikation und wirken nahbar, obwohl man ihnen oft gar nicht nah sein will.
Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihren Reiz aus. Denn die Charaktere handeln durchaus menschlich: Sie wählen nicht den moralisch richtigen, sondern den bequemeren Weg, und entziehen sich der Verantwortung für ihr Verhalten. Dabei wird weder Rücksicht auf die Konsequenzen genommen, noch das Handeln reflektiert. In dieser Hinsicht fungiert der Film als Spiegel, der dem Publikum Egoismus und Doppelmoral vor Augen führt. Er erinnert an jene Momente, in denen man selbst unzuverlässig ist und moralische Maßstäbe situativ zurechtbiegt.
So stellt sich unweigerlich die Frage: Geht es den Figuren – und letztlich auch uns – tatsächlich um die Sache selbst, oder vielmehr um die Befriedigung eines eigenen moralischen Selbstbildes. Das erinnert an die „Smartphone-Generation“, deren Angst vor zu viel Verbindlichkeit, dazu führt, dass sie in entscheidenden Situationen einen Rückzieher macht.
Glücklicherweise stellt sich der Protagonist in der letzten Einstellung dann doch noch die Frage: Haben wir wirklich richtig gehandelt? Diese Frage kann wohl nur der Golden Retriever beantworten.Diese Auszeichnung wird gestiftet von Sparkasse Hochfranken.
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Filmpreis "Indie-Award"
Postcards Without Names
Joona Ikonen | Finnland 2025Jury-Begründung:
Die Geschichte um Felix, seine Unzufriedenheit im Leben, trotz beruflichen Erfolgs, bewegt. Fast jeder kennt eine Erinnerung aus der Vergangenheit, einen Menschen, der fehlt und man hat nichts dafür getan, diesen Mangel auszugleichen, bis es vielleicht nicht mehr möglich ist. Doch er erhält die Chance einen zweiten Verlust zu verhindern. Allerdings ist es bis dahin ein langer und schmerzhafter Weg der Selbstfindung und Einsicht.
Regisseur Joona Ikonen erzählt diese Geschichte in sehr ruhigen, manchmal lang stehenden Einstellungen und doch kommt an keiner Stelle Langeweile auf. Bilder mit fantastischen Landschaften und die gut gewählte Musik leiten durch die Gefühlswelt von Felix, den man manchmal für seine Dummheit ohrfeigen möchte, um ihn dann doch wieder tröstend in den Arm nehmen zu wollen. Als Zuschauer leidet man mit, freut sich über das Happy End und geht doch mit ein wenig Wehmut aus der Geschichte, zumindest wenn man eigene Erinnerungen verspürt hat.Diese Auszeichnung wird vergeben vom Regisseur Michael von Hohenberg und gestiftet von PROBAU Massivhaus GmbH.
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Publikums-Filmpreise
Spielfilm:
Obhut
Veronika Hafner | Deutschland 2025Mittellanger Spielfilm:
One Way Ticket to Tbilisi
Paul Ploberger | Österreich, Georgien, Deutschland 2025Kurzfilm:
Teresa, Station B
Katharina Sporrer | Deutschland 2025Dokumentarfilm:
Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben
Andreas Grützner | Deutschland 2025Diese Auszeichnungen werden gestiftet von der Künstlerin Barbara Flügel.
Preisträger 2026 - Spielplan 12.04.2026 (Kino 4)
13.45 Uhr
- Yuri Far Far Away (Preisträger "ZuKi-Filmpreis")
- Obhut (Preisträger Publikumspreis "Spielfilm")
16.00 Uhr
- Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben (Preisträger Publikumspreis "Dokumentarfilm")
- The Odyssey of Joy (Preisträger "Osteuropäischer Film")
18.15 Uhr
- Postcards Without Names (Preisträger "Indie-Award" sowie Preisträger Nachwuchs-Filmpreis)
- One Way Ticket to Tbilisi (Preisträger Publikumspreis "Mittellanger Spielfilm")
- Teresa, Station B (Preisträger Publikumspreis "Kurzfilm")