Selb · 21. – 24. April 2022 45. INTERNATIONALE GRENZLAND-FILMTAGE
Programm

Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki

Stummfilm - Live vertont durch das Jazz-Ensemble Küspert & Kollegen

Inhalt

Auch wenn man beim sowjetischen Stummfilm nicht als allererstes an Komödien denken mag, so ist DIE SELTSAMEN ABENTEUER DES MR. WEST IM LANDE DER BOLSCHEWIKI ein echter Stummfilmklassiker. Lev Kulešovs berühmteste Filmarbeit ist eine Art Westernkomödie auf russischem Boden, in der der Vorzeigeamerikaner John West, der in seinem Aussehen mehr als dezent an SPEEDY-Darsteller Harold Lloyd erinnert, in die Sowjetunion reist und dort – ganz wie der Titel besagt –verschiedene Abenteuer erlebt.

„Ein amüsanter Film, der Unterhaltsamkeit auf intelligenter Weise und mit spezifisch filmischen Mitteln erzielt. Kuleschow verspottet ausländische Klischeevorstellungen vom Bolschewismus, indem er sie mit dem gleichermaßen überzogenen Bild eines „Yankee“ konfrontiert, der die „Stars and Stripes“ der amerikanischen Flagge sogar als Sockenmuster trägt. Formal imitiert, variiert und parodiert Kuleschow hier die Stilmittel des amerikanischen Abenteuerfilms.“ (Reclams Filmführer)

Über den Film/die Regie

Lev Kulešov (1899-1970) begann als Ausstatter im Studio des russischen Produzenten Aleksandr Chanžonkov, ehe er 1918 mit dem futuristischen Drama PROEKT INŽENERA PRAJTA (DAS PROJEKT DES INGENIEURS PRAJIT) als Regisseur debütierte. Technische Moderne und Amerikanismus prägten auch seine folgenden Filme, neben dem MR. WEST (1924) die Jack-London-Verfilmung PO ZAKONU (NACH DEM GESETZ, 1926). In der praktischen Filmarbeit (bis 1943) immer wieder Restriktionen ausgesetzt, unterrichtete er ab 1919 an der Moskauer Filmhochschule, wo Eisenstein, Pudovkin und Michail Romm zu seinen Schülern zählten. In seinen Schriften entwickelte er nachhaltige Montage-Theorien („Kulešov-Effekt“).

Küspert & Kollegen INFO

“Jazz von heute für Filme von vorgestern”

Kleines Kammerensemble neben großer Leinwand: „Küspert & Kollegen“ greifen die Atmosphäre des klassischen Horror-Stummfilms ebenso auf wie von Slapstick und Melodram. Und richten sich an ein Publikum des Jahres 2021: „Unsere Musik klingt nicht wie traditionelle Stummfilm-Musik, sondern zeitgenössisch und unvorhersehbar“, sagt der Gitarrist und Komponist Werner Küspert.
„Küspert & Kollegen“ verlassen damit die eingetretenen Pfade der traditionellen Stummfilmbegleitung: mit Witz, großer Sensibilität, aber auch expressiver Wucht werden die Filme hinreißend neu interpretiert; so lassen die Musiker ein Gesamtbild entstehen, in dem Musik und Film verschmelzen.

„Küspert & Kollegen“ haben sich bereits durch die ganze Frühgeschichte der Kinokunst gearbeitet und sind weltweit unterwegs; In den letzten Jahren waren  "Küspert & Kollegen" u.a. in Georgien, Malta, Schweden, Tunesien, Aserbaidschan und Algerien auf Tournee, (u.a. im Auftrag des Goethe Instituts, der Europäischen Union und des Auswärtigen Amts).

Zum Ensemble gehören der Echo-Preisträger Bastian Jütte am Schlagzeug, Dietmar Fuhr, der zu den bedeutendsten europäischen Kontrabassisten zählt, der Saxophonist und Klarinettist Till Martin (Preis der deutschen Schallplattenkritik, Bayerischer Kunstförderpreis etc.) und natürlich der Kopf und Komponist des Ensembles Werner Küspert an der Gitarre.

Till Martin
Saxophonist Till Martin wurde für seine eigenen Projekte, für die er auch als Komponist verantwortlich zeichnet, mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik und dem Neuen deutschen Jazzpreis ausgezeichnet; des Weiteren ist er Preisträger des Bayerischen Kulturförderpreises. Martin ist auf über 50 CDs zu hören und veröffentlichte neun CDs unter eigenem Namen, welche laut Süddeutscher Zeitung “zum Geschmackvollsten gehören, was der deutsche Jazz zu bieten hat.”
„Früh hat Till Martin seinen höchst individuellen Personalstil in Komposition und Klangsprache entwickelt. Er ist einer der fixen, vielseitigen und höchst kreativen Größen der deutschen Jazzszene.“ (B.Sampson, BR)

Dietmar Fuhr – Kontrabass
Dietmar Fuhr ist einer der bedeutendsten europäischen Kontrabassisten im zeitgenössischen Jazz. Seit 2009 unterrichtet Dietmar Fuhr als Dozent für Jazz-Kontrabass an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und seit 2012 am Dr. Hoch´s Konservatorium in Frankfurt a.M.
Zusammenarbeit, Konzerte, Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit Florian Ross, Enrico Rava , Tony Lakatos, Gerd Dudek, Richie Beirach , Dave Liebman, Kurt Rosenwinkel, Jochen Rückert, John Schröder, George Garzone, Wolfgang Muthspiel, Danny Gottlieb, Antonio Farao, Nils Wogram, Till Brönner, Achim Kaufmann, Auryn Quartett, u.v.a.

Bastian Jütte - Schlagzeug
ECHO Jazz-Preisträger Bastian Jütte studierte Jazzdrums an den Musikhochschulen München und Mannheim. Neben seiner Tätigkeit als Dozent an den Musikhochschulen Würzburg und München spielte er in den letzten Jahren auf internationalen Festivals, Tourneen führten ihn in Länder wie Japan, Indonesien, Marokko, Syrien, Jordanien, Libanon, Indien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Polen, Italien, Frankreich, Spanien.
Mittlerweile ist Bastian Jütte auf über 100 CDs zu hören und hat als Bandleader zahlreiche eigene Alben veröffentlicht.
Mit dem Tim Allhoff Trio gewann er 2010 den Neuen Deutschen Jazzpreis, für das Album »Hassliebe« wurde er 2013 mit dem ECHO-Jazz ausgezeichnet. 2016: Neuer Deutscher Jazzpreis mit dem Bastian Jütte Quartett.

Werner Küspert – Gitarre, Konzeption/Komposition
Studium u.a. bei Harry Pepl und John Abercrombie. Werner Küspert ist Mitglied zahlreicher Jazz-Ensembles und nahm an Tourneen im In- und Ausland teil. Theater-, Studio- und Konzertauftritte gehören ebenso zu seinem Tätigkeitsfeld wie das Unterrichten. Er leitet Projekte für Film- und Fernsehproduktionen und verfasst Live-Programme wie z.B. »Lyrik und Jazz«. Besonders profilierte er sich mit der konzertanten Ensemblebegleitung von Stummfilmen. Langjähriger Theaterarbeit an verschiedenen Staatstheatern. 2015 meldete sich Werner Küspert mit seinen aktuellen Stummfilm-Projekten wieder zurück in der Jazz-Szene.

Credits

Regie:

Lev Kulešov
Drehbuch:
Nikolaj Asseev
Kamera:
Aleksandr Levickij
Schnitt:
Aleksandr Levickij
Darsteller:
Porfirij Podobed, Boris Barnet, Vsewolod Pudovkin, Aleksandra Chochlova, Sergej Komarov, Leonid Obolenskij, Vera Lopatina, Andrej Gortčilin
Produktion:
Goskino
Kontakt:
Österreichisches Filmmuseum, Raoul Schmidt
E-Mail:
r.schmidt@filmmuseum.at
Fotos:
Sammlung Österreichisches Filmmuseum

  • Sowjetunion

  • Russische Zwischentitel / deutsche UT
  • 1924
  • 77 Minuten

Sonderprogramm