Selb · 09. – 12. April 2026 49. INTERNATIONALE GRENZLAND-FILMTAGE
Programm

Blaue Wunder

Inhalt

In den 1950er Jahren wächst die junge Eva in einer Gesellschaft auf, in der traditionelle Geschlechterrollen den Wert einer Frau bestimmen. Die kleine Eva kämpft darum, sich in die ihr zugedachte Rolle einzufügen, möchte dem Druck entkommen und sehnt sich danach, unsichtbar zu sein. Als junge Frau genießt sie das Leben, die Liebe und ihre neu gewonnene Freiheit. Heute, als ältere Frau, erkennt Eva, dass die Welt ältere Menschen übersieht.

Über den Film/die Regie

Esther Wenger ist eine deutsche Filmemacherin, die für ihre Arbeit als Regisseurin und Drehbuchautorin bekannt ist. Sie war an einer Vielzahl von Projekten beteiligt, die sich häufig mit Themen wie sozialen Fragen, persönlicher Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen auseinandersetzen. Auch wenn sie in der breiten Öffentlichkeit vielleicht noch kein Begriff ist, hat sich Wenger in Independent-Filmkreisen, insbesondere in Deutschland, einen Namen gemacht.
Ihre Arbeit konzentriert sich oft auf charakterorientierte Erzählungen und wird für ihre emotionale Tiefe und Liebe zum Detail gelobt. Wengers Filme sind meist introspektiv und bieten den Zuschauern einen Einblick in die Komplexität menschlichen Verhaltens und die Nuancen des Alltags.
Sie leistet mit ihrer unverwechselbaren Handschrift weiterhin einen Beitrag zur Filmindustrie und arbeitet sowohl an Spiel- als auch an Kurzfilmen.

Statement der Regie

Der Kurzfilm „Blaue Wunder“ beleuchtet das gesamte Leben einer Frau – von der Kindheit bis ins hohe Alter. Das zentrale Thema des Films ist die „Unsichtbarkeit“ von Frauen im Alter, ein Phänomen, das ich und meine gleichaltrigen Freundinnen am eigenen Leib erfahren haben und das derzeit in der Kulturszene diskutiert wird. Andrea Eckert, die im Burgtheater in Wien in „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ auftrat, bringt es in ihrer Rolle treffend auf den Punkt: „Als Frau über 60 ist man unsichtbar.“ Marlene Streeruwitz schrieb darüber in einem Essay im Standard mit dem Titel „Kürzlich. Ich wollte Käse kaufen“, und auch Susanne Schneider vom SZ-Magazin griff dieses Thema in ihrem Artikel „Verschwinden von der Bildfläche“ auf.

„Blaue Wunder“ ist eine witzige Hommage an alle Frauen, ein amüsanter Versuch, sich über die weibliche Sozialisation lustig zu machen. Gleichzeitig ist der Kurzfilm auch eine Hommage an Oberösterreich und Salzburg, meine Wahlheimat seit über 20 Jahren. Ich habe am Attersee gelebt, wo ich meine Kinder großgezogen habe. Hier war ich in meiner Freizeit auch kulturell aktiv und habe acht Jahre lang gemeinsam mit einer Freundin das „Festival of Nations“ geleitet. Wir haben junge Filmemacher aus der Region unterstützt, junge Menschen aus aller Welt an den Attersee geholt und ihnen die Möglichkeit gegeben, eigene Kurzfilme zu drehen, die dann Teil des Festivalprogramms wurden. Mit „Blaue Wunder“ habe ich mich selbst zum ersten Mal an die Kurzfilmproduktion gewagt.

Der Film begleitet die Protagonistin Eva durch vier Lebensabschnitte: als Kind, als junge Frau, als Ehefrau und Mutter sowie in der Gegenwart als ältere Frau. Unzufrieden mit ihrer Erziehung sucht die kleine Eva nach einem Weg, unsichtbar zu werden. Untermalt von Werbespots aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren erleben wir auf humorvolle Weise das vorherrschende Frauenbild während Evas Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. In verschiedenen Szenen lernen wir auch die Männer kennen, in die sie sich verliebt. Schließlich heiratet Eva, und nach einer kurzen Zeit des Glücks ist es keine Überraschung, dass ihr alter Wunsch, unsichtbar zu werden, wieder auftaucht. An der Kasse eines Supermarkts wird der älteren Eva plötzlich klar, dass sie es geschafft hat. Sie ist von selbst unsichtbar geworden und genießt ihre neu gewonnene Freiheit. Durch Evas Augen sehen wir, wie wunderbar es sein kann, im Alter unsichtbar zu sein und endlich zu tun, was man will.

Für „Blaue Wunder“ hatte ich das Glück, mit dem Kameramann Helmfried Kober zusammenzuarbeiten. In unserer gemeinsamen Arbeit und in seinen eigenen Filmen sowie in den Filmen von Joseph Vilsmaier hat er mit seiner kreativen Vorstellungskraft stets Bilder von bemerkenswerter Tiefe geschaffen. Gemeinsam haben wir einen märchenhaften und einzigartigen visuellen Stil geschaffen, der die Zuschauer in jeder Szene begeistert – sowohl visuell als auch erzählerisch.

Die Dreharbeiten zu diesem unterhaltsamen 28-minütigen Film fanden an den schönsten Orten rund um den Attersee statt, auf den Spuren des Malers Gustav Klimt, der hier während seiner Sommeraufenthalte einige seiner kreativsten Schaffensphasen verbrachte. Bereits in der ersten Szene verwandelt sich die von einer Drohne eingefangene Wasseroberfläche des Attersees in eine visuelle Anspielung auf Klimts Gemälde „Der Attersee“ aus dem Jahr 1900. Hauptdrehort war die Villa Paulick in Seewalchen am Attersee, wo Klimt viele Sommer mit Emilie Flöge verbrachte. Auch andere ikonische Orte aus seinen Gemälden wurden vor den Augen der Zuschauer zum Leben erweckt: die kleine Kapelle auf dem Gahberg, die Promenade und der Yachthafen in Seewalchen. Ein kurzer Abstecher führte uns zum Wolfgangsee, wo ein junger Mann (zur Freude aller Sportbegeisterten) einen dreifachen Salto von der Falkenstein-Klippe ins smaragdgrüne Wasser vollführte.

„Blaue Wunder“ spielt ebenfalls mit Klimts allegorischem Malstil und seinen zarten, unkonventionellen räumlichen Kompositionen. Klimt versuchte oft, die Schönheit junger Frauen liebevoll zu überhöhen, indem er sie mit Blumen gleichsetzte. Er „vegetalisierte“ seine weiblichen Figuren, verwandelte sie in Blumen, versteckte sie in der Natur und rückte dabei ihre Gesichter strahlend in den Vordergrund. Zusammen mit Helmfried Kober wollte ich ähnliche Bilder schaffen, jedoch mit einer humorvollen Note. In ihrem Bestreben, unsichtbar zu werden, versteckt sich Eva ebenfalls in der Natur – im Gebüsch und Gras des Gartens der schönen und geheimnisvollen Villa Paulick.

FILMOGRAFIE (Auswahl):
2025
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF/ORF), „Lena Lorenz – Wahlverwandschaft“, Regie
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF/ORF), „Lena Lorenz – Auf Augenhöhe“, Regie
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF), „Das Traumschiff – Neuseeland“, Regie
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF), „Das Traumschiff – Bora Bora (aka Südsee)“, Regie
Kurzfilm (JewelLabs Pictures), „Blaue Wunder“, Regie
2024
TV-Serie (ZDF), „SOKO Leipzig“ – 1 Episode, Regie
2023
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF), „Marie fängt Feuer – Hitzewelle“, Regie
TV-Spielfilm (Reihe) (ZDF), „Marie fängt Feuer – Herz über Kopf“, Regie
2022
TV-Spielfilm (Reihe) (SWR), „Tatort – Gold“, Regie
TV-Serie (ZDF/ORF), „Der Bergdoktor“ – 1 Episode, Regie
2021
TV-Spielfilm (Reihe) (SWR), „Tatort – Das Verhör“, Regie
TV-Serie (ZDF), „Die Rosenheim-Cops“ – 1 Episode, Regie

Credits

Regie:

Esther Wenger
Drehbuch:
Esther Wenger
Kamera:
Helmfried Kober
Schnitt:
Daniela Perdula, Viktor Perdula
Animation:
Carolin Vedder
Mitwirkende:
Alina Fritsch, Amelie Voegtle, Emre Aksizoglu, Ingo Geiger, Manuel Lindner, Regina Fritsch, Thomas Birnstiel
Kostümbild:
Jennifer Bliem
Szenenbild:
Jennifer Bliem
Ton:
Jakob Studnicka, Manuel Schönegger
Musik:
Jens Langbein, Robert Schulte Hemming
Produktion:
Viktor Perdula
Kontakt:
JewelLabs Pictures GmbH
E-Mail:
office@jewellabs.com

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  • 2025
  • 28 min